DAGS-Info-Projekt Brief 171 20. Februar 2026
„Wir schaffen das!“ (Bundeskanzlerin A. Merkel am 31.8.2014)

Vor mehr als zehn Jahren mussten Anmar und Rafal aus ihrem Heimatort im Nordirak „Hals
über Kopf“ flüchten, weil die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (ISIS oder IS) von Syri-
en aus im Nordirak auf dem Vormarsch war und bereits Mossul eingenommen hatte. Nach
Monaten unterwegs mit vielen gefährlichen und schrecklichen Erlebnissen und über 4000 km
Flucht wurde das junge Ehepaar Anfang 2016 Schwalbach zugewiesen.
Ehrenamtliche der DAGS, der Flüchtlingshilfe und der Stadtverwaltung organisierten Unter-
kunft und Sprachkurse und kümmerten sich um tausend weitere Details. Als sie ausreichende
Deutschkenntnisse erlangt hatten, begann die Berufsorientierung und für beide eine dreijähri-
ge Ausbildung in Apotheken als PKAs. Anmar bekam nach seiner erfolgreich abgelegten Prü-
fung eine Stelle in einer nahegelegenen Apotheke – Rafal war zu dieser Zeit schwanger mit
Zwillingen; sie nahm jedoch noch Teilzeitjobs an.
Ein drittes Kind wurde inzwischen geboren, die junge Familie verdient ihren Lebensunterhalt
selbst, die Zwillinge besuchen den Kindergarten und die Mutter plant, nach Aufnahme der
jüngsten Tochter in den Kindergarten in ihrem Ausbildungsberuf wieder arbeiten zu können.
Die Familie hat seit 2023 die deutsche Staatsbürgerschaft.
Vor kurzem kam ein besonderer Film aus dem Irak in das „Casablanca-Kino“ (Bad Soden). Der komplette Flyer befindet sich im Anhang. Die Handlung spielt zwar in Südirak und zu Lebzeiten
des grausamen Diktators Sadam Hussein, aber die Parallelen zum aktuellen Leben im Nordirak sind sehr groß. Im dortigen Heimatort von Anmar und Rafal kommt erschwerend hinzu, dass es den Jesiden von der sunnitisch islamischen Mehrheitsbevölkerung oft sehr schwer gemacht wird.
Wir empfehlen, diesen Film anzusehen, insbesondere Mitarbeiterinnen in Städten, Landkreisen – und vor al- lem allen Politikerinnen, die ohne hinreichende Kennt nisse der aktuellen Lebenssituationen in Ländern wie z.B. Irak, Syrien, Iran, Afghanistan, Ukraine Menschen kurzerhand dorthin zurückführen wollen. Oder die mit einem Federstrich den Zugang zu bezahlbaren Deutschkursen streichen und somit die „Infrastruktur der Hilfe“ zerstören.


